Was ist eigentlich Leichte Sprache?

Immer häufiger bieten Museen, Nachrichtenseiten, Ministerien, Verbände oder Institutionen für eine barrierefreie Kommunikation ihre Informationen auch in Leichter Sprache an. Aber was verbirgt sich dahinter? Und ist Leichte Sprache das Gleiche wie einfache Sprache?

Eine kurze Erklärung
Leichte Sprache ist eine Variante des Deutschen, die von und für Menschen mit Lernschwierigkeiten entwickelt wurde. Ausgangspunkt war eine einfache Überlegung: Wie müssen Texte sein, damit wir sie gut verstehen? Ungeachtet gängiger Sprachnormen haben Menschen mit Lernschwierigkeiten einen eigenen Regel-Katalog für die Wort-, Satz-, Text- und Gestaltungsebene entwickelt. Ein paar Beispiele: Zusammengesetzte Wörter werden mit Bindestrich geschrieben. Fremd- oder Fachwörter werden gemieden oder erklärt. Der Genitiv wird umgangen. Jeder Satz hat eine Information. Redewendungen und sprachliche Bilder sind tabu. Auf Sonderzeichen wird verzichtet.

Die Regeln sind leicht, die Anwendung nicht.
Denn oft zeichnen sich sogenannte schwere Ausgangstexte durch enorme Satzlängen und eine hohe Fremdwortquote aus. Beim Übersetzen geht es deshalb zunächst darum, den Inhalt richtig zu verstehen, ihn danach in eine logische Reihenfolge zu bringen und dann in Leichter Sprache widerzugeben. Das Besondere: Alle Übersetzungen werden von Menschen mit Lernschwierigkeiten geprüft. Erst wenn sie den Text gut verstehen, gibt es das Siegel Leichte Sprache. So ein Prozedere macht Mühe, es kostet Zeit und Geld – aber es lohnt sich. Denn die Zielgruppe ist groß. Neben Menschen mit Lernschwierigkeiten profitieren Demenzerkrankte, Gehörlose, Senioren oder Menschen mit anderen Muttersprachen von Leichter Sprache. Und oft noch viele andere.

Leichte Sprache ist nicht gleich einfache Sprache.
Einfache Sprache ist für Menschen mit Lernschwierigkeiten zu schwer, spricht ansonsten aber die gleichen Zielgruppen an. Hier sind längere Sätze und einfache Nebensätze erlaubt. Ebenso gängige Fremdwörter. Im Gegensatz zur Leichten Sprache gibt es keine festen Regeln. Eine Prüfgruppe ist nicht vorgeschrieben, Testleser erfüllen aber oft eine ähnliche Funktion. Texte in einfacher Sprache haben das Ziel, Informationen verständlicher zu machen. Und – in einfacher Sprache gibt es auch schon Literatur, zum Beispiel Moby Dick oder Märchen von Oscar Wilde.

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